Antiek & Curiosa
Seltene manieristische Aedicula-Tabernakelspiegel mit Engelsfiguren – Frühes 17. Jahrhundert (ca. 1600–1630)
Seltene manieristische Aedicula-Tabernakelspiegel mit Engelsfiguren – Frühes 17. Jahrhundert (ca. 1600–1630)
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Ein außergewöhnlich frühneuzeitlicher Architekturspegel in Form einer Ädikula- oder Tabernakelspiegel aus der Übergangszeit von der Spätrenaissance zum frühen Manierismus. Ausgeführt in einem begehrten und seltenen Kabinettformat von 52 × 55 cm, mit einem harmonischen Gleichgewicht zwischen skulpturalem Vergoldungsdekor und einem zurückhaltenden dunklen Grund.
Architektur & Ikonografie
Der Rahmen ist nach den strengen architektonischen Prinzipien eines klassischen Renaissancealtars aufgebaut:
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Flankierende Karyatiden: Die Rahmenpfosten werden von zwei fein geschnitzten, halbplastischen geflügelten Engeln (Hermesfiguren) mit andächtig vor der Brust gekreuzten Armen gebildet, die in Kanneluren und Akanthus-Konsolen auslaufen. Der Stil lehnt sich an Entwürfe von Meistern wie Jacopo Sansovino an.
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Ornamentik: Der dunkel polychromierte Grund kontrastiert mit den feinen vergoldeten Arabesken, Ranken und stilisierten Palmettenmotiven auf Fries und Sockel.
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Profilierung: Der Spiegelrand wird durch ein tief profiliertes Rahmenwerk mit fein geschnitztem Astragal- oder Perlstab betont.
Makulatur & Datierung (ca. 1600–1630)
Während der Kunstmarkt von späteren historistischen Kopien des 19. Jahrhunderts dominiert wird, liefert die Rückseite dieses Exemplars den materiellen Beweis einer authentischen frühneuzeitlichen Herstellung:
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Die Rückwand ist über den Schrägkanten mit authentischen Makulaturstreifen aus handgeschöpftem Hadernpapier des 17. Jahrhunderts versiegelt.
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Die Typografie weist eine frühneuzeitliche lateinische Antiqua mit kursiven Marginalien auf. Es handelt sich um eine theologische Abhandlung mit deutlich lesbaren Textpassagen und Verweisen unter anderem auf den frühen Kirchenvater S. Laurent. Justin. (Hl. Laurentius Justinianus, Kap. 4), den Propheten Ezechiel und Traktate über Askese.
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Die Wiederverwendung von Korrektur- oder Fehldrucken durch Möbel- und Rahmenmacher war in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts eine gängige Praxis, um Fugen staub- und zugluftdicht abzudichten, und liefert damit einen gesicherten terminus post quem für die Montage im frühen 17. Jahrhundert.
Zustand & Erscheinungsbild
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Spiegelglas: Das Spiegelglas ist späteren Datums und befindet sich in klarem, funktionsfähigem Zustand.
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Schnitzerei und Fassung: Die Holzschnitzerei ist unversehrt erhalten und weist nach wie vor scharf ausgeprägte Profile auf. Die Vergoldung zeigt authentische altersbedingte Abnutzung, durch die das rotbraune Poliment (Bolus) und stellenweise die weiße Gesso-Grundierung dezent durchschimmern.
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Holzkonstruktion: Authentischer, handbearbeiteter Korpus aus Nadelholz mit natürlicher altersbedingter Schrumpfung und schöner historischer Patina. Mit einer frühen geschmiedeten Aufhängung versehen.
Technische Daten
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Typ: Ädikula-/Tabernakelrahmen (Spiegel)
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Zeitraum: Manierismus / Frühbarock (ca. 1600–1630)
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Region: Süddeutschland (z. B. Nürnberg / Augsburg) oder Norditalien (Venetien)
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Material: Geschnitztes Holz, Gesso, Blattgold auf Bolus, Polychromie, handgeschöpftes Makulaturpapier, Spiegelglas
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Außenmaße: 52 × 55 cm
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Herkunft: Privatsammlung
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